Jedes Jahr werden in der Schweiz Hunderte von Personen beim Online-Kauf oder -Verkauf eines Fahrzeugs Opfer von Betrug. Die Betrüger werden immer raffinierter, doch die Warnsignale bleiben dieselben. Lernen Sie, diese zu erkennen, damit Sie sicher kaufen und verkaufen können.
1. Die häufigsten Betrugsarten

Das Phantom-Inserat (nicht existierendes Fahrzeug)
So funktioniert es: Ein Betrüger veröffentlicht ein Inserat mit gestohlenen Fotos eines attraktiven Fahrzeugs zu einem auffällig tiefen Preis. Er gibt oft vor, im Ausland zu sein (Umzug, berufliche Versetzung) und bietet eine Lieferung per Transporteur an.
Warnsignale:
- Preis 20 bis 40% unter dem Marktwert
- Verkäufer «im Ausland» oder «für eine Besichtigung nicht verfügbar»
- Anzahlungsforderung vor der Besichtigung
- Generische oder aus dem Internet kopierte Fotos
- Kommunikation ausschliesslich per E-Mail, nie telefonisch
So schützen Sie sich: Leisten Sie niemals eine Anzahlung, ohne das Fahrzeug persönlich gesehen zu haben. Führen Sie eine umgekehrte Bildersuche (Google Bilder) durch, um zu prüfen, ob die Fotos gestohlen sind.
Der Vorauszahlungsbetrug
So funktioniert es: Der Betrüger verlangt eine Anzahlung, eine «Reservierungsgebühr» oder eine Überweisung über einen unsicheren Dienst vor der Fahrzeugübergabe.
Häufige Varianten:
- «Überweisen Sie CHF 500.– zur Reservierung des Fahrzeugs»
- «Das Fahrzeug befindet sich bei einem Transporteur, bezahlen Sie die Lieferkosten»
- «Nutzen Sie diesen sicheren Treuhand-Service (Escrow)» → die Webseite ist gefälscht
So schützen Sie sich: Zahlen Sie niemals, bevor Sie das Fahrzeug und die Dokumente gesehen haben. Betrügerische Treuhand-Dienste imitieren oft bekannte Webseiten. Überprüfen Sie immer die genaue URL.
Der Kilometerstandbetrug
So funktioniert es: Der Kilometerstand wird manipuliert, um eine geringere Laufleistung anzuzeigen. Ein Fahrzeug mit 180’000 km kann mit 90’000 km angezeigt werden. Diese Praxis ist in der Schweiz illegal (Art. 147 StGB — Betrug, Art. 67 Abs. 10 VTS).
Ausmass des Problems: Laut europäischen Studien sollen bis zu 30% der Occasionen einen manipulierten Kilometerstand haben. In der Schweiz betrifft das Problem vor allem importierte Fahrzeuge.
Warnsignale:
- Abnutzung des Lenkrads, der Pedale oder des Fahrersitzes, die nicht zum angezeigten Kilometerstand passt
- Wartungshistorie mit unstimmigen Kilometerständen
- Kein Serviceheft vorhanden
- Auffällig tiefer Preis für den angegebenen Kilometerstand
So schützen Sie sich:
- Verlangen Sie das vollständige Serviceheft mit den Stempeln der Garage
- Überprüfen Sie die Servicerechnungen (auf denen der Kilometerstand vermerkt ist)
- Konsultieren Sie den Bericht der letzten MFK-Prüfung (der Kilometerstand wird dort erfasst)
- Lassen Sie eine OBD-Diagnose bei einer Garage durchführen (ca. CHF 50.–)
Versteckte Mängel / verschwiegene Unfallhistorie
So funktioniert es: Der Verkäufer verschweigt einen schweren Unfall, Strukturschäden, Wasserschäden oder ein gravierendes mechanisches Problem.
Warnsignale:
- Farbtonunterschiede zwischen den Karosserieteilen
- Unregelmässige Karosseriefugen
- Sichtbare Schweissspuren
- Ungewöhnliche Geräusche beim Fahren
- Feuchtigkeitsgeruch (überschwemmtes Fahrzeug)
- Strategisch platzierte Aufkleber oder Schutzfolien
So schützen Sie sich:
- Machen Sie eine ausführliche Probefahrt (mindestens 20 Minuten, auf verschiedenen Strassentypen)
- Begutachten Sie das Fahrzeug bei Tageslicht
- Lassen Sie das Fahrzeug von einem unabhängigen Mechaniker prüfen
- Fordern Sie einen AutoScout24-Fahrzeughistoriebericht an (für bestimmte Fahrzeuge verfügbar)
- Überprüfen Sie die Lackdicke mit einem Messgerät (online für CHF 30–50.– erhältlich)
Der Käuferbetrug (für Verkäufer)
So funktioniert es: Ein falscher Käufer kontaktiert den Verkäufer und bietet Zahlung per Bankcheck, Auslandsüberweisung oder über einen «sicheren Zahlungsservice» an. Der Check ist gefälscht oder die Überweisung wird nach der Fahrzeugübergabe storniert.
Varianten:
- Gefälschter Bankcheck (optisch perfekt, aber ohne Deckung)
- «Meine Firma wird Ihnen eine Überweisung senden» — die Überweisung wird anschliessend storniert
- Absichtliche Überzahlung: «Ich überweise Ihnen CHF 15’000.– statt CHF 12’000.–, senden Sie mir die Differenz zurück»
So schützen Sie sich:
- Akzeptieren Sie ausschliesslich Barzahlung oder eine bestätigte Banküberweisung (warten Sie, bis die Mittel gutgeschrieben sind)
- Seien Sie misstrauisch bei Käufern, die das Fahrzeug nicht besichtigen wollen
- Übergeben Sie Fahrzeug und Dokumente erst nach bestätigtem Zahlungseingang
- Ein Bankcheck kann mehrere Tage zur Überprüfung benötigen — übergeben Sie das Fahrzeug vorher nicht
Der Identitätsdiebstahl
So funktioniert es: Der Betrüger gibt sich als legitimer Verkäufer aus, indem er die Identität einer realen Person stiehlt oder ein glaubwürdiges Fake-Profil erstellt.
So schützen Sie sich:
- Überprüfen Sie die Identität des Verkäufers (Ausweis)
- Stellen Sie sicher, dass der Name auf dem Fahrzeugausweis mit dem Verkäufer übereinstimmt
- Seien Sie misstrauisch, wenn der Verkäufer seine Dokumente nicht zeigen will
2. Universelle Warnsignale
Unabhängig von der Betrugsart sollten diese Signale Sie alarmieren:
Preis
- Auffällig tiefer Preis (> 20% unter dem Marktwert)
- «Dringender Verkauf» oder «Schleuderpreis wegen Umzug»
Kommunikation
- Verkäufer telefonisch nicht erreichbar
- Kommunikation ausschliesslich per E-Mail oder Messenger
- Ungewöhnliche Sprachfehler (automatisch übersetzte Texte)
- Druck, den Kauf schnell abzuschliessen
- Weigerung, sich persönlich zu treffen
Dokumente
- Kein originaler Fahrzeugausweis vorhanden
- Name des Verkäufers stimmt nicht mit dem Fahrzeugausweis überein
- Weigerung, einen Ausweis zu zeigen
- Kein Serviceheft vorhanden
Zahlung
- Forderung einer Anzahlung vor der Besichtigung
- Zahlungsvorschlag per Western Union, MoneyGram oder Kryptowährungen
- Unbekannter «Treuhand-Service»
- Käufer, der eine Überzahlung leistet
3. Wie Sie ein Fahrzeug in der Schweiz überprüfen
Überprüfungsmittel
| Mittel | Was es überprüft | Kosten |
|---|---|---|
| MFK-Bericht | Kilometerstand, Zustand bei der letzten Prüfung | In den Fahrzeugdokumenten enthalten |
| Serviceheft | Vollständige Wartungshistorie | Kostenlos (beim Verkäufer verlangen) |
| OBD-Diagnose | Fehlercodes, tatsächlicher Kilometerstand | CHF 50.– bei einer Garage |
| Vorkaufskontrolle (Garage) | Vollständiger mechanischer Zustand | CHF 100.– bis 200.– |
| VIN-Überprüfung | Herkunft, Spezifikationen, Rückrufe | Je nach Dienst unterschiedlich |
| Umgekehrte Bildersuche | Gestohlene Fotos | Kostenlos (Google Bilder) |
Überprüfung der VIN (Fahrgestellnummer)
Die VIN (Vehicle Identification Number) ist ein einzigartiger 17-stelliger Code, der am Chassis eingraviert und unter der Windschutzscheibe sichtbar ist. Damit lässt sich Folgendes überprüfen:
- Herkunft des Fahrzeugs
- Werksspezifikationen
- Laufende Herstellerrückrufe
- Übereinstimmung mit den Dokumenten
4. Zahlungsmittel: sicher und unsicher

Sichere Zahlungen
| Methode | Sicherheit | Hinweise |
|---|---|---|
| Bargeld | Hoch | Praktisch bis ca. CHF 15’000.–. Überprüfen Sie die Banknoten. |
| Banküberweisung | Hoch | Warten Sie auf die Bestätigung des Zahlungseingangs auf Ihrem Konto |
| Zahlung am Bankschalter | Hoch | Beide Parteien gehen zusammen zur Bank |
Riskante Zahlungen
| Methode | Risiko | Warum |
|---|---|---|
| Bankcheck | Hoch | Kann gefälscht sein, Überprüfung dauert mehrere Tage |
| Western Union / MoneyGram | Sehr hoch | Nicht stornierbar, wird von Betrügern genutzt |
| Kryptowährungen | Sehr hoch | Kein Rechtsweg möglich |
| PayPal (Freunde/Familie) | Hoch | Kein Käuferschutz in diesem Modus |
| Unbekannter Treuhand-Service | Sehr hoch | Webseite höchstwahrscheinlich betrügerisch |
5. Ihre Rechte als Käufer in der Schweiz
Das Obligationenrecht (OR)
- Art. 197 OR: Der Verkäufer haftet für Mängel, die den Wert oder die Gebrauchstauglichkeit des Fahrzeugs mindern
- Art. 199 OR: Die Gewährleistung kann vertraglich ausgeschlossen werden, AUSSER für absichtlich verschwiegene Mängel
- Art. 201 OR: Der Käufer muss das Fahrzeug prüfen und Mängel unverzüglich nach deren Entdeckung melden
Bei versteckten Mängeln
Wenn Sie einen im Vertrag nicht deklarierten versteckten Mangel entdecken:
- Informieren Sie den Verkäufer unverzüglich schriftlich (eingeschrieben empfohlen)
- Sie können Folgendes fordern: die Reparatur, eine Preisminderung oder die Rückabwicklung des Kaufs (Wandelung)
- Die Verjährungsfrist beträgt 2 Jahre (Art. 210 OR)
- Bewahren Sie alle Beweise auf: E-Mails, Nachrichten, Inserat (Screenshots), Dokumente, Zahlungsbelege
- Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei in Ihrem Kanton — das ist kostenlos und unerlässlich für jedes weitere Verfahren
- Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank, wenn Sie eine Überweisung getätigt haben (eine Stornierung ist manchmal in den ersten Stunden möglich)
- Melden Sie das Inserat auf der Plattform, auf der es veröffentlicht wurde
- Kantonspolizei: Erstatten Sie Anzeige beim nächsten Posten
- cybercrimepolice.ch: Meldeportal für Online-Betrug (betrieben durch die Stadtpolizei Zürich, aber für die gesamte Schweiz gültig)
- Schweizerische Kriminalprävention (SKP): skppsc.ch — Beratung und Prävention
- Konsumentenschutz: Rechtsberatung für Konsumentinnen und Konsumenten in der Deutschschweiz
- FRC (Fédération romande des consommateurs): Konsumentenschutz in der Westschweiz
- ACSI: Konsumentenschutz im Tessin
- Verifizierte Profile: Nutzer werden über ihre E-Mail-Adresse und/oder ihr Google-/Apple-Konto authentifiziert
- Integriertes Nachrichtensystem: Kommunizieren Sie sicher direkt auf der Plattform, ohne Ihre Telefonnummer weitergeben zu müssen
- Lokale Inserate: Motoro ist auf den Schweizer Markt ausgerichtet, was das Risiko von im Ausland ansässigen Betrügern verringert
- Einfache Meldefunktion: Melden Sie ein verdächtiges Inserat mit einem Klick
- [ ] Der Preis ist marktgerecht (Eurotax, AutoScout24)
- [ ] Der Verkäufer ist telefonisch erreichbar
- [ ] Sie haben das Fahrzeug persönlich besichtigt
- [ ] Der Verkäufer kann sich ausweisen
- [ ] Der Name auf dem Fahrzeugausweis stimmt mit dem Verkäufer überein
- [ ] Die VIN am Fahrzeug stimmt mit dem Fahrzeugausweis überein
- [ ] Das Serviceheft ist vorhanden und stimmig
- [ ] Sie haben eine Probefahrt gemacht
- [ ] Barzahlung oder bestätigte Banküberweisung
- [ ] Kaufvertrag von beiden Parteien unterschrieben
- [ ] Alle Dokumente übergeben (Fahrzeugausweis, Schlüssel, Serviceheft)
- [ ] Kopien von allem aufbewahrt
Gewährleistung bei Berufshändlern
Wenn Sie bei einem professionellen Garagisten kaufen, kann die Gewährleistung nicht so einfach ausgeschlossen werden. Der professionelle Verkäufer unterliegt einer erhöhten Sorgfaltspflicht.
6. Was tun, wenn Sie Opfer eines Betrugs werden?
Sofortmassnahmen
Nützliche Anlaufstellen
7. Wie Motoro Betrug vorbeugt
Bei Motoro hat die Sicherheit unserer Nutzerinnen und Nutzer oberste Priorität:
8. Anti-Betrugs-Checkliste
Vor dem Kauf:
Bei der Transaktion:
Kaufen und verkaufen Sie mit Vertrauen auf Motoro — die Schweizer Fahrzeugplattform, die Sicherheit an erste Stelle setzt.
