Auto-Import aus Deutschland oder Frankreich: Lohnt sich das 2026 noch?

03 Import Voiture Allemagne France Suisse

Veröffentlicht am 17. April 2026 — Motoro.ch

Das eigene Auto aus Deutschland oder Frankreich importieren, um ein paar Tausend Franken zu sparen: eine in der Schweiz fest verankerte Praxis. Doch mit der Entwicklung der Wechselkurse, Steuern und Vorschriften im Jahr 2026 — lohnt sich der Aufwand noch? Wir machen die Rechnung.

Die Ausgangslage 2026: Ein sehr starker Schweizer Franken

Der Wechselkurs EUR/CHF ist ein entscheidender Faktor für den Import. Und 2026 spielt er klar zugunsten der Schweizer Käufer:

  • Durchschnittskurs 2025: 1 EUR = 0,937 CHF
  • März 2026: Der Schweizer Franken hat sich weiter aufgewertet und die Schwelle von 0,90 EUR/CHF durchbrochen
  • April 2026: Der Kurs pendelt um 0,91-0,92 EUR/CHF

Konkret: Ein Auto, das in Deutschland für 30’000 € angeboten wird, kostet zum aktuellen Kurs etwa CHF 27’300 — gegenüber CHF 28’110 vor einem Jahr. Der starke Franken macht den Import auf dem Papier attraktiver denn je.

Die zu erwartenden Kosten bei einem Import

Bevor man sich zu früh freut, müssen alle Kosten addiert werden:

Import aus der EU (Deutschland, Frankreich)

Posten Betrag
Fahrzeugpreis Angegebener Preis (in EUR umgerechnet in CHF)
Zollgebühren 0 CHF (Zollbefreiung für Fahrzeuge mit EU-Ursprung mit Formular EUR.1)
Automobilsteuer 4 % des Kaufpreises
Schweizer Mehrwertsteuer 8,1 % des Gesamtwerts (Kaufpreis + Automobilsteuer + Gebühren)
Verzollungsgebühren CHF 20-50
Motorfahrzeugkontrolle (MFK) CHF 60-100
Provisorische Schilder / Transit CHF 50-100 (je nach Kanton)
Anpassung an Schweizer Normen Variabel (Scheinwerfer, km/h-Tacho, etc.)
Transport / Benzin Variabel

Konkretes Beispiel: Ein VW Golf 2022 für 22’000 €

Posten Betrag (CHF)
Kaufpreis (22’000 € × 0,92) 20’240
Automobilsteuer (4 %) 810
Schweizer MwSt. (8,1 % auf Gesamtwert) 1’720
Verzollung + MFK 150
Transport (einfache Fahrt) 200
Total Import ~23’120
Vergleichspreis in der Schweiz ~25’000-27’000
Geschätzte Ersparnis 2’000-4’000 CHF

Die administrativen Schritte

Beim Import geht es nicht nur um den Preis — es ist auch ein administratives Abenteuer:

  1. Fahrzeugprüfung: Historik, Kilometerstand, Zustand (Besichtigung vor Ort empfohlen)
  2. Kaufvertrag: Unerlässliches Dokument für den Zoll
  3. Formular EUR.1: Beim Verkäufer anzufordern, um von der Zollbefreiung zu profitieren
  4. Zollabfertigung: Deklaration des Fahrzeugs an der Schweizer Grenze
  5. Zahlung der Abgaben: Automobilsteuer + MwSt.
  6. Motorfahrzeugkontrolle (MFK): Obligatorisch innerhalb von 30 Tagen
  7. Immatrikulation: Beim Strassenverkehrsamt Ihres Kantons

Benötigte Dokumente

  • Reisepass oder Personalausweis
  • Kaufvertrag
  • Formular 13.20A (Zolldeklaration)
  • Formular EUR.1 (EU-Ursprungsnachweis)
  • Original-Fahrzeugschein
  • Konformitätsbescheinigung (COC), falls vorhanden

Wann lohnt sich der Import?

Der Import lohnt sich, wenn:

  • Die Preisdifferenz CHF 3’000-4’000 übersteigt (um die Kosten und den Zeitaufwand zu decken)
  • Das Fahrzeug neueren Datums und in gutem Zustand ist (ältere Modelle erfordern oft kostspielige Anpassungen)
  • Sie bei einem Händler kaufen (nicht privat) — zuverlässiger für das Formular EUR.1
  • Das Fahrzeug keine grösseren technischen Anpassungen erfordert (Scheinwerfer, etc.)

Der Import lohnt sich NICHT, wenn:

  • Die Preisdifferenz unter CHF 2’000 liegt
  • Das Fahrzeug älter als 8-10 Jahre ist (Risiko versteckter Kosten und Anpassungen)
  • Sie sich mit den administrativen Schritten nicht wohlfühlen (ein Importeur kann das übernehmen, kostet aber CHF 500-1’500)
  • Das Fahrzeug ein sehr gängiges Modell ist, das auf dem Schweizer Markt reichlich vorhanden ist

Die interessantesten Segmente für den Import

  • Deutsche Premium-Limousinen (BMW 3er, Mercedes C-Klasse, Audi A4): In Deutschland oft 15-25 % günstiger
  • Beliebte SUV (VW Tiguan, Skoda Kodiaq): Signifikante Preisunterschiede
  • Nutzfahrzeuge und Lieferwagen: Der deutsche Markt ist wesentlich umfangreicher
  • Elektrofahrzeuge: Die Neupreise sind in Deutschland dank vergangener Subventionen oft tiefer

Vorsicht vor Fallen

  • Manipulierter Kilometerstand: Leider immer noch häufig, besonders bei Privatverkäufen. Nutzen Sie einen Historik-Prüfdienst
  • Unfallfahrzeuge und reparierte Wagen: Fordern Sie den vollständigen Historienbericht an
  • Eingeschränkte Garantie: Die Herstellergarantie gilt in der Regel europaweit, prüfen Sie aber die Bedingungen
  • Euro-Norm: Stellen Sie sicher, dass das Fahrzeug mindestens die Euro-6-Norm erfüllt, um künftige Einschränkungen zu vermeiden

Unser Fazit

Im Jahr 2026, mit einem starken Schweizer Franken und wettbewerbsfähigen deutschen Preisen, bleibt der Import eine interessante Option — besonders für Premium-Fahrzeuge und neuere Modelle. Die potenzielle Ersparnis von CHF 2’000 bis 5’000 rechtfertigt den Aufwand für viele Käufer. Aber der Zeitaufwand und das Risiko müssen berücksichtigt werden: Wenn Sie sich mit den Formalitäten nicht wohlfühlen, ist es besser, in der Schweiz zu kaufen oder einen professionellen Importeur zu beauftragen.


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Quellen: Allianz – Autoimport in die Schweiz, BAZG – Definitive Einfuhr, AutoScout24 – Auto importieren